Startpunkt Pic Maïdo

Am 3. Tag unseres Aufenthaltes fuhren wir zum Parkplatz des Pic Maïdo. Auf der Fahrt dorthin standen wir aufgrund eines Unfalls in einem Mega-Stau. Die wenigen Strassenverbindungen auf der Insel können schnell verstopft und überlastet sein.
Wer die Gratwanderung zum Grand Bénare machen möchte, der parkt sein Auto am besten beim zweiten Parkplatz des Maïdo. Der erste Parkplatz liegt links und der zweite etwas weiter oben rechts. Von dem zweiten Parkplatz geht der Wanderweg direkt los. Wer hier wieder nur die Aussicht geniessen will ist mit dem kurzen Spaziergang bis zum Pic Maïdo bestens bedient – die Aussicht in den Talkessel Mafate ist fantastisch. Aber auch der Blick in Richtung Meer war beeindruckend – wir standen praktisch über der Wolkendecke. Auch die Anfahrt war landschaftlich sehr abwechslungsreich.

Ich muss ehrlich sagen, dass dies die einzige Wanderung war, die mich total genervt hat, und die ich nicht empfehlen würde. Anfangs liess es sich ja noch schön an, bereits vom Parkplatz ein wunderbarer Ausblick über die Wolken in Richtung Meer und nach ein paar Minuten Wanderung in den Talkessel Mafate. Dann folgten wir dem Wanderweg, der in Richtung Grand Bénare führte.

Aufwärts, immer aufwärts

Stetig ging es aufwärts. Die Steigung schien optisch weniger anstrengend als physisch. Ich weiss auch nicht ob es an meiner Tagesverfassung lag, jedoch kam ich nach einer Stunde schon ziemlich ausser Atem. Der Weg fing an mich zu nerven. Ausserdem schien sich die Landschaft nicht stark zu verändern. Man hatte zwar immer wieder den Blick in den Talkessel, aber an den hatte ich mich inzwischen gewöhnt. Im Prinzip führt diese Wanderung entlang dem langen Grat des Grand Bénare und die Dimension dieser Wanderung wurde uns erst bewusst, als wir fast eine Woche später vom Krater Commerson auf den Grand Bénare blickten: das Grat ist endlos lange. Sogar ein Schluck von unserem Schnaps konnte meine Motivation nicht heben. Ich wurde innerlich richtig aggressiv.

Man muss nicht alle Gipfel erklimmen

Als der Gipfel immer noch mit 1 Stunde Wanderzeit angeschrieben war machte ich folgende Kopfrechnung: wir waren schon mehr als 2 genervte Stunden gewandert und meine Kondition war mies. Die angeschriebenen Wanderzeiten waren wesentlich kürzer veranschlagt als wir effektiv dafür brauchten. Somit müssten wir noch mindestens 1,5 Stunden bis zum Ziel planen und der Rückweg würde dann weitere 3 bis 3,5 Stunden in Anspruch nehmen. Mein Ehrgeiz war an diesem Tag viel kleiner als meine Kondition und somit liessen wir es bei 2/3 der Wanderung bleiben. Über diese Entscheidung waren wir dann noch froh, denn der Rückweg zog sich wie Kaugummi. Gemäss meinem Reiseführer war für den Rückweg der Weg über die «Eisgrotte» empfohlen. Absolut nicht lohnenswert! Die Eisgrotte war früher eine Höhle, aus der Sklaven das Eis für eine verwöhnte reiche Dame kilometerweit im Winter holten, damit sich diese ihre Sorbets servieren lassen konnte. Für mich war allein schon der Rückweg anstrengend genug, geschweige denn die Distanz, die die Sklaven zurücklegen mussten. Die «Eisgrotte» ist heute nur noch ein Loch mit einer Kette und einer Informationstafel davor.

Endlose Staubstrasse

Der «empfohlene» Rückweg war dann eine schlecht instandgehaltene Staubstrasse, die sich endlos zog. Die Landschaft veränderte sich kaum, man sah zwar immer noch über die Wolken, jedoch konnte mir dieser Ausblick nicht den Frust über die staubige, steinige und holprige Strasse nehmen. Ich war nur noch genervt, von Wandergenuss keine Rede. Die Sonne schien gnadenlos und der staubige Weg machte mich umso durstiger. Meine Schwester hatte sich im wahrsten Sinne des Wortes die Sohlen ihrer Wanderschuhe abgelaufen. Von der hässlichen staubigen Strasse habe ich keine Fotos gemacht, ich weiss, die Fotos wirken alle sehr schön, es sind aber auch nur die besten, die ich veröffentliche.

Nachdem ich andere, viel schönere Wanderungen in Reunion gemacht habe würde ich sagen, dass diese Wanderung zum Grand Bénare nicht unbedingt zu den tollsten gehört. Vielleicht hast du sie ja gemacht und viel schöner erlebt? Wenn ja, dann hinterlass mir doch einen Kommentar von deinem Erlebnis!