430 Kurven …

Vor dieser Strecke hatte ich gewaltigen Respekt. Bei meiner Planung der Reise nach Réunion war für mich innerlich die grösste Herausforderung, ob ich wohl den Mut hätte auf dieser Strasse zu fahren. Die Strecke hat über 430 Kurven und ist die einzige Strasse auf der man Cilaos erreicht. Somit ist sie also unumgänglich und wichtiger Bestandteil für einen Wanderurlaub, denn Cilaos ist ein Ausgangspunkt für viele schöne Wanderungen.

Online konnte ich nicht viele Fotos finden, die für mich aufschlussreich genug waren, um mir tatsächlich ein Bild über die Herausforderung zu geben. Dann stiess ich auf die Homepage von Lars Freudenthal, der ein sehr hilfreiches Video und Fotos von der Autofahrt hochgeladen hatte. Den Link dazu findest du wie immer am Ende des Beitrags.

Seltsame Begegnung

Die Fahrt begann mit einem aussergewöhnlichen Erlebnis: wir waren praktisch am Beginn der Strecke, als ein Auto von der Gegenseite offensichtlich wegen etwas gestoppt war, zwei Männer standen neben dem Auto und schienen dieses etwas zu beobachten. Ich hatte meiner Schwester vor jeder Autofahrt gesagt, sie solle entweder Handy oder Fotoapparat zur Hand halten. Ich verlangsamte das Tempo und blieb stehen – ich traute meinen Augen kaum: da lief doch tatsächlich ein Chamäleon vor uns über die Strasse! Ich befahl meiner Schwester sofort auszusteigen und Fotos zu machen. Sie folgte auf dem Fuss. Nun sollte es sich lohnen allzeit bereit zu sein. Rita konnte ein paar schöne Aufnahmen von dem Tier machen. Man muss bedenken, dass eine Strasse bei helllichtem Tage schon eher ein ungewöhnliches Umfeld für ein Chamäleon ist, ist der Spitzname dieses Tieres auf der Insel doch «endormi» (Eingeschlafene). Ich hätte meine erste Begegnung nun eher in einem Botanischen Garten erwartet, als auf der Strasse nach Cilaos, aber die Wege des Herrn, in diesem Fall des Chamäleons, sind unergründlich. Ich fühlte mich vom Leben beschenkt.

Hupen nicht vergessen

Nach dem unerwarteten Fotostopp fuhren wir weiter. Die Strassenverhältnisse erinnerten an Bergstrassen in Österreich und der Schweiz. Teilweise wurde es einspurig und man musste nun vor den Kurven hupen. Ich instruierte meine Schwester sie solle mithelfen und vorausschauend mich auf entgegenkommenden Verkehr hinweisen. Als sie es auch tat fuhr ich ihr dann genervt ins Wort «ja, ich hab den Bus schon lange gesehen». Bei Nervosität kann man es mir nicht immer recht machen …aber sie hat mich dann mit Gummibären gefüttert und dann wurde ich auch schon wieder netter zu ihr.

Es kamen noch ein paar enge Tunnel bei denen man vor der Einfahrt auch noch mal brav hupt und sicherstellt, dass nicht gerade der Gegenverkehr schon eingefahren ist. Ansonsten war jedoch die Strecke landschaftlich wunderschön und gar nicht so schwer wie ich sie mir ausgemalt hatte. Für Leute, die also ein bisschen Bergstrassen-erfahren sind, kein Problem. Die Fotos, die meine Schwester mit dem Handy für euch gemacht hat, sollen euch einen Eindruck von der Strecke machen. Leider hat das Gegenlicht durch die Autoscheibe gespiegelt, aber hier geht es mir mehr darum, euch ein Bild von der Strecke zu vermitteln.

Charmantes Cilaos

In Cilaos angekommen fuhren wir zu unserem Hotel Le Vieux Cep, das einen riesigen Parkplatz hat und das 5 bis 10 Minuten Distanz zum Zentrum von Cilaos liegt. Die Lage des Hotels ist deshalb auch gut, weil es ruhiger ist als direkt an der Hauptstrasse durch das Dorf. In Cilaos merkt man schon mehr, dass man hier vom Tourismus (gut) lebt. Anstatt der sonst so üblichen Ruhetage von Samstagnachmittag bis Montagmorgen werden in Cilaos die Geschäfte am Freitag geschlossen und am Sonntag kann man den grossen Markt besuchen oder in den vielen Geschäften shoppen.

Wie zuhause gefühlt

Cilaos war mir von Anfang an sympathisch. Es hat so eine nette Atmosphäre. In den Restaurants isst man vorzüglich, es gibt einen Supermarkt in dem man sich für die Wanderungen eindecken kann, und auch eine Bäckerei, die morgens offensichtlich für die hungrigen Wanderer mit vielen Sandwichs und frischen Baguettes gewappnet ist.

Die Kirche «Notre Dame des Neiges» bietet ein tolles Fotomotiv und ebenso das eine oder andere Haus im Zentrum. Man befindet sich im Talkessel von Cilaos und das ist an sich schon imposant. Cilaos baut seinen eigenen Wein an und besonders zu erwähnen sind die Linsen, die in dieser Gegend mühsam angebaut werden. Diese Linsen werden von Hand geerntet und in Büscheln zum Trocknen gelegt. Hier kann man wirklich von einer ökologischen Anbauweise sprechen und das schmeckt man dann auch, wenn man die Linsen von Cilaos probiert.
Am ersten Abend in Cilaos hatten wir im Hotel Le Vieux Cep gegessen. Da die Bedienung sehr lange brauchte um überhaupt einmal eine Bestellung von uns aufzunehmen, waren wir zuerst in der Stimmung «lass es uns hinter uns bringen». Als wir dann aber die Vorspeise kosteten waren wir beeindruckt – das Essen war fantastisch! Ebenso das Frühstücksbuffet ist in diesem Hotel sehr reichhaltig und von guter Qualität. Wenn sie eine Reisegruppe haben, dann leidet das Ambiente etwas und vor allem ist es dann mühsam abends à la carte zu bestellen, denn die Angestellten würden einem lieber das Buffet verkaufen, das in Qualität dem à la carte Essen nicht nahekommt.
Sehr gut gegessen hatten wir auch im Restaurant Chez Noë. Hier sollte man reservieren, wenn man sich einen Platz sichern möchte. In diesem Restaurant hatte ich geräucherte Ente mit Linsen gegessen, der Hammer!
Wir kamen aus Zeitgründen leider nicht dazu andere Restaurants zu testen, aber ich kann mir vorstellen, dass es noch weitere gute gibt!

Links:

Homepage von Lars Freudenthal: https://www.freudenthal.biz/la-reunion/cirque-de-cilaos/

Homepage vom Hotel Le Vieux Cep: http://levieuxcep.re/

Homepage vom Restaurant Chez Noë: http://www.restaurant-cheznoe.fr