Ein Gefühl der Ehrfurcht in der Felsformation der „Kapelle“

Dies war eine meiner Lieblingswanderungen. Man startet im Zentrum von Cilaos gleich hinter dem Restaurant Chez Noë (rechts ab in die Rue de la Chapelle), wandert über ein paar Treppen abwärts und folgt dem Sentier de la Chapelle. Wir wanderten an Linsenfeldern vorbei und die Bauern grüssten uns freundlich. Sie hatten ihre bescheidenen Felder mit Vogelscheuchen und Plastikflaschen abgegrenzt. Wir konnten beobachten wie sie mühsam die Linsen in kleinen Büscheln zum Trocknen legten. An den Abenden zuvor hatten wir ja schon die leckeren und ökologisch angebauten Linsen aus Cilaos schon verkostet. Im Hotel Le Vieux Cep assen wir einen Linsensalat und im Chez Noë hatte ich die Linsen als Beilage zu meiner geräucherten Ente gegessen.

Der vorerst breite Weg führte in einen Wanderpfad über, der auf Wurzelpfaden abwärts führte. Der Weg war angenehm zu gehen und irgendwann führte er durch einen Wald und wir überquerten ein paar Mal einen Bach. An dieser Stelle holte uns ein deutsches Pärchen ein, das wir am Vortag kennengelernt hatten. Irgendwann ging es dann wieder steil aufwärts bis wir an einen Aussichtspunkt kamen an dem wir die La Chapelle Felsformation zum ersten Mal sahen.

Von da an führte der Weg wieder abwärts bis wir zum Flussbett kamen. Der Wanderpfad war ab diesem Punkt nicht mehr nachvollziehbar. Von nun an mussten wir uns den Weg eher intuitiv erarbeiten, mittels Klettern über grössere Felsbrocken oder Durchwaten des Baches. Teilweise mussten sehr rutschige Stellen überwunden werden. Das deutsche Pärchen folgte uns und wir suchten gemeinsam den Weg. Bald stiess noch ein französisches Paar dazu und irgendwann kamen wir nicht mehr weiter. Wir versuchten praktisch in Teamarbeit den Weg zur Felsformation zu finden, jedoch wurden die Felsbrocken immer grösser, das Wasser immer reissender und teilweise war die Kletterei sogar gefährlich. Wir konnten weder links noch rechts weiter und waren etwas ratlos, eine junge Frau, die allein unterwegs war, stiess auch noch zu unserer Gruppe dazu.

Auf der rechten Seite war ein Vorankommen unmöglich. Links waren wir an unüberwindbaren Felsen gescheitert. Plötzlich sah ich zwei Frauen auf der linken Seite auftauchen, die offensichtlich schon auf dem Rückweg waren. Sogleich fragte ich sie wie wir weiterkommen konnten und sie machten uns auf einen «Pfad» aufmerksam, den wir vorher alle nicht gesehen hatten und der steil am Hang entlangführte. Nun ging es in der Gruppe weiter, ich allen voran. Teilweise wateten wir knietief durch das Wasser und mussten gut darauf achten nicht auszurutschen. Ich glaube alle waren wir irgendwie froh, dass wir so ein kleines Team gebildet hatten. Als wir vor dem Eingang zur mächtigen Felsformation standen gaben wir uns alle ein High-Five.

Nun tauschte ich meine durchnässten Bergschuhe gegen meine Wasser-Crocs. Zuvor wären diese zu rutschig gewesen, nun aber ging es durch eiskaltes Wasser in die Felsformation hinein. Es stank gewaltig, an den Felswänden schienen Fledermäuse zu hängen. Schon nach einer kurzen Strecke standen wir vor dem Wasserfall in der Höhle. Wir machen Fotos von dem Stein, der in der Felsspalte eingeklemmt ist. Es heisst, dass zu Mittag die Sonne durch den Spalt in die Höhle dringt. An diesem Tag war das Wetter eher bedeckt aber wir fanden die Höhle auch so schon sehr beeindruckend. Alle Wanderer waren glücklich hier zu sein.

Auf dem Rückweg wanderten wir noch ein Stück mit dem deutschen Paar bis meine Schwester und ich eine Jause einlegten.
Danach mussten wir natürlich wieder mühsam aufwärts in Richtung Cilaos wandern. Insgesamt waren wir auf dieser Wanderung ca. 6 Stunden unterwegs. Beim Suchen des Weges durch das Bachbett ging natürlich einige Zeit verloren, es war aber machbar.