Eine intensive Wanderung

Für diese Wanderung ist es gut, wenn man seine Unterkunft in der Gegend von Bourg Murat oder La Plaine des Cafres nimmt. Wir hatten in La Ferme du Pêcher Gourmand übernachtet, jedoch dummerweise von einem Sonntag Nachmittag bis Dienstag Vormittag. In diesem Zeitraum schliesst die Unterkunft fürs «Wochenende» und man bekommt gerade mal ein Frühstück. Die kleinen Terrassen der «Bungalows» sind ja ganz gemütlich, aber von den Zimmern selber (und den Betten) war ich nicht sonderlich begeistert. Wir hatten die Nacht von Montag auf Dienstag ganz alleine dort verbracht und wir hatten uns ehrlich gesagt nicht wohlgefühlt dabei – die Unterkunft lag ziemlich abgelegen und als Frauen alleine fühlte sich das ganze ziemlich unheimlich an.

Guter Ausgangspunkt

Die Dörfer Bourg Mourat und Plaine des Cafres sind beide gute Ausgangspunkte für Ausflüge zum Piton de la Fournaise oder eben für eine Wanderung zum Dorf und Wasserfall von Grand Bassin.
In Bois Court findet man den Parkplatz für die Wanderung leicht – beim Parkplatz befinden sich einige Picknick-Pavillons (dürfen auf Réunion nie fehlen 😉) und eine Aussichtsplattform von der aus man sich ein Bild machen kann wie weit man seine Wanderbeine bewegen muss. Vor allem welche Strecke man hinunter UND nach mehreren Stunden auch wieder den gleichen Weg HINAUF muss.
Nach ein paar Fotos auf der Aussichtsplattform nahmen wir den Weg, der links zum Dorf Grand Bassin führt. Der Weg war anfangs recht sandig und staubig. Wir sahen ein paar ziemlich grosse Spinnen, die aber weit genug weg von uns waren um nicht bedrohlich zu wirken. Bald ging es über Wurzeln und Steine bergab. Der Weg war angenehm zu gehen, jedoch nach 2 Stunden waren wir froh, als wir das Dorf erreichten. Wir waren an teils recht exponierten Stellen vorbeigekommen, jedoch hatte ich trotz meiner Höhenangst keinerlei Probleme.

Blick auf den Wasserfall

Ein besonderer Moment war natürlich, als wir ungefähr nach der Hälfte des Abstiegs einen ersten Blick auf den Wasserfall hatten. Dies war auch die einzige Stelle an der man den Wasserfall so richtig schön gemeinsam mit dem Becken rundum sah. Danach erblicken wir ihn nämlich erst wieder von unten.
Im Dorf von Grand Bassin fotografierten wir die Blumen und Früchte, besonders angetan hatte es uns ein Weihnachtsstern. Wer einmal ein paar Tage ohne Internet in einem abgelegenen Dorf übernachten möchte, der ist in Grand Bassin genau richtig. Dieses Dorf ist nur über den Wanderweg erreichbar, das Dorf wird nur durch einen Lastenlift mit Lebensmitteln versorgt. Es gibt keine Strasse nach Grand Bassin.

La Cascade

meine mutige Schwester

Vom Dorf waren es noch 30 Minuten bis zum Wasserfall (angeschriebene 20 Minuten, haha, inzwischen war ich schon besser gewappnet). Wir mussten einen Bach überqueren, der hoch an Wasser führte und grosse Felsbrocken hatte. Man musste von einem zum anderen Felsbrocken springen oder anständig nass werden. Meine Schwester Rita sprang mutig voran, ich hätte mich nicht getraut, denn wenn man an dieser Stelle abrutscht kann man sich alle möglichen Knochen brechen. Da sie aber vorgezeigt hatte, dass es machbar war, überwand ich meine Angst und sprang (erfolgreich) hinterher. Hurra! Eine weitere Mutprobe bestanden.

 

Am Wasserfall angelangt trafen wir das Französische Ehepaar von unserer La Chapelle Wanderung. Wir machten ein Picknick und assen unsere Vorräte in dem Wissen, dass der anstrengendere Teil noch vor uns lag, der Rückweg auf der gleichen Strecke jedoch dieses Mal steil bergauf.
Das Wasser war eiskalt, also hatte niemand Lust auf ein erfrischendes Bad. Wir machten uns auf den beschwerlichen Rückweg. Vom Dorf bis zum Parkplatz brauchten wir ca. 2 Stunden.
Insgesamt waren wir mit Pausen an die 5,5 Stunden unterwegs gewesen. Diese Wanderung war konditionstechnisch eine Herausforderung aber sehr schön und lohnenswert.