Die Calanques sind eine atemberaubende Klippenlandschaft die sich als Nationalpark zwischen Marseille und Cassis erstreckt. Als ich noch an Bord der Azamara Schiffe arbeitete hatte mir eine Kundin mit grossen leuchtenden Augen von den Calanques erzählt. Sie konnte nicht verstehen warum wir keinen Ausflug in diese Gegend anboten und beschrieb mir sehr lebhaft wie schön es doch in den Calanques ist: mit einem der Ausflugsboote hätte sie die beeindruckenden Klippen vom Meer aus bewundert und man könne in den Buchten anhalten und baden gehen. Ein paar Jahre später traf ich einen ehemaligen Kollegen von meinen Carnival Zeiten und dieser Kollege hatte seinen Urlaub ein paar Wochen in Marseille verbracht. Nun fing er auch an mir von den Calanques vorzuschwärmen und wie toll sie zum Wandern wären. Die Calanques hatten es eindeutig auf meine MUST-DO Liste geschafft.

Gut Ding braucht Weile

Es sollten noch ca. 5 Jahre vergehen ehe ich den Plan tatsächlich in die Tat umsetzen würde. Im Juni 2018 startete ich einen neuen Job bei einer Reederei die ihren Hauptsitz in Marseille hat. Die ersten beiden Juniwochen war ich zur Einschulung in Marseille und dazwischen lag ein Wochenende das sich nun endlich für eine Erkundung der Calanques anbot! Und so war es endlich soweit:

Meine Wanderung zur Calanque de Sugiton

Startpunkt der Wanderung in Luminy

Wie immer plante ich meinen Ausflug mit Hilfe von Dr. Google. Die Website von Marseille Tourismus gab mir bezüglich Anreise die entsprechenden Anhaltspunkte. Mein Hotel war in der Nähe von der Avenue du Prado – also boten sich folgende Buslinien an: Nr. 19 Castellane Madrague de Montredon eignet sich wenn man den GR 98 mit Startpunkt Calanque de Callelongue in 11 Stunden von Marseille nach Cassis wandern möchte – etwas für die ganz Harten!
Da ich etwas Bewegung mit Baden kombinieren wollte entschied ich mich für die Strecke von Luminy zur Calanque de Sugiton. Somit nahm ich den Bus Nr. 21 Castellane Luminy der mich in einer halben Stunde zum Ausgangspunkt meiner Wanderung brachte (einfach bis zur letzten Haltestelle fahren).

Sicherheitshinweis

Vor eurer Wanderung müsst ihr unbedingt die Zugangsbedingungen prüfen, bei extremer Hitze kann es nämlich zu Waldbränden kommen:

http://www.ancien.paca.gouv.fr/files/massif/

Schwierigkeitsgrad

Am Startpunkt der Wanderung in Luminy gibt es auch einen grossen Parkplatz und eine Trinkwasserfontäne. Dort kann man seine Wasservorräte gegebenenfalls noch auffrischen.
Der Wanderweg führt breit und angenehm durch Pinienwälder stetig bergauf. Für geübte Wanderer ist er leicht, jedoch ist die Steigung nicht zu unterschätzen – sie wirkt auf den ersten Blick einfacher. Auf dem Rückweg wird einem bewusst, dass sich die Strecke schon etwas zieht. Ich würde den Schwierigkeitsgrad bei mittelschwer ansetzen. Für Leute die sonst nie wandern kann die Strecke retour von der Bucht ganz schön anstrengend sein.
Kurz bevor ich den ersten Aussichtspunkt zum Meer erreichte rief mir ein entgegenkommender Franzose in seinem sympathischen Akzent aus Marseille «bald sind Sie da» zu.

Karten sind gefragt

Die Wege sind leider nicht beziehungsweise nur sehr dürftig markiert. Die Abzweigung in Richtung Calanque de Sugiton war eigentlich nur anhand einer Markierung auf einem Stein erkennbar.
Von nun an ging es bergab und die Landschaft zeigte sich in ihrer ganzen Pracht. Als ich mich der ersten Kurve näherte, die eine Aussicht auf die Meeresbucht freigab, war ich sprachlos vor Schönheit.

Die letzte Strecke zur Bucht legt man auf einem steinigen Wandersteig zurück, gute Wanderschuhe sind von Vorteil, man kann leicht ausrutschen und sich verletzen. Ich überlastete mein linkes Knie und machte mir schon Sorgen ob ich nun zu weit gegangen wäre und dafür büssen müsste. Den Rest des Tages musste ich mit dem linken Bein vorsichtiger auftreten.

Ins kühle Nass

In der Bucht suchte ich mir ein Plätzchen auf dem Felsen und breitete mein Badetuch aus. Endlich war es Zeit ins kühle Nass zu springen. Wasserschuhe oder Crocs sind zu empfehlen, denn der Einstieg ist sehr steinig. Ausflugsboote kamen in die Bucht und die Passagiere konnten sich auch bei einem Bad abkühlen, jedoch war ich innerlich sehr stolz auf mich, dass ich die Strecke zur Bucht aus eigener Anstrengung hinter mich gelegt hatte.

Nach dem Baden vertilgte ich mein kleines Picknick, das ich in weiser Voraussicht für diesen Ausflug eingepackt hatte. Leider muss man nach der Badezeit die Strecke auch wieder aufwärts bewältigen, somit wird jegliche Abkühlung zunichte gemacht.
Nach dem Aufstieg wanderte ich noch hinüber zum Cap de Sugiton von wo ich noch einmal eine schöne Aussicht genoss und diese natürlich mit dem Fotoapparat einfangen musste. Rechts hinunter sah man die Calanque de Morgiou. Dorthin gelangt man über schwindelerregende Kurven sogar mit dem Auto – mir wurde gesagt, dass eine Restaurantreservierung zwecks Parkplatz notwendig sei.

Sicherheitsinfos:

Die Hitze in den Calanques darf man nicht unterschätzen. Ich war anfangs Juni bei Sonnenschein unterwegs und obwohl mir die Hitze während der Wanderung nicht so intensiv vorkam, so spürte ich am Abend, dass mich die Temperaturen ziemlich ausgelaugt hatten (trotzdem ich mehr als 4 Liter Wasser getrunken hatte!). Sonnenhut und Sonnencreme nicht vergessen! Bitte auch unbedingt vor Start der Wanderung wie oben im Artikel erwähnt die aktuell gültigen Zugangsbedingungen prüfen.

Wenn Ihr eine grössere Strecke der Calanques durchwandern möchtet, solltet ihr euch eine gute Wanderkarte besorgen.

Links:

Infos von Marseille Tourismus http://www.marseille-tourisme.com/al/wanderungen-durch-die-calanques-von-marseille/