Die Anregung zu dieser Wanderung hatte ich einem Artikel «Kühle Wege für heisse Tage» im Magazin Bergwelten entnommen. Man startet beim Berglistüber Wasserfall und abwechslungsreich führt der Weg bis zum Oberblegisee. Während der gesamten Strecke bewunderte ich mehrmals die Schönheit der Landschaft und wunderte mich, dass ich teilweise kaum jemandem begegnete.

Anreise

Die Anreise ist am einfachsten mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln. Man startet nämlich in Bergli und beendet die Tour in Luchsingen.
Mit der S25 geht es zuerst bis Linthal und dann nimmt man den Bus Nummer 408 in Richtung Flüelen. Die Busfahrt führt über den Klausenpass. Der Busfahrer begrüsste die Fahrgäste so freundlich wie bei einer Ausflugsfahrt und erklärte die Strecke. Einen Moment lang fragte ich mich, ob ich nicht einfach eine ganz gemütliche Busfahrt bis nach Flüelen einer anstrengenden Wanderung vorziehen würde. Jedoch wollte ich wissen was es mit diesem Berglistüber Wasserfall auf sich hatte.

Abtrünnige

Da der Bus voll mit Wanderern war dachte ich mir die würden wohl alle bei der gleichen Haltestelle wie ich in Bergli aussteigen – falsche Annahme. Alle glotzten irgendwie komisch als ich dort meinen Abgang von der wohl schönsten Passfahrt machte. Am Gasthof Bergli könnte man gut parken, jedoch endet diese Wanderung in Luchsingen und es wäre komplizierter, danach mit den Öffentlichen zurückzufahren.

Kraftort Berglistüber

In der Kurve ist der Berglistüber schon angeschrieben – in 5 Minuten erreicht man den sehenswerten Wasserfall. Man kann ihn sehr wohl als Kraftplatz bezeichnen und ein Besuch ist auch für weniger Sportliche möglich. Über den gleichen Weg geht es wieder zurück zum öffentlichen Parkplatz hinter dem Gasthof, von wo der Wanderweg Richtung Braunwald angeschrieben ist.

Nächste Etappe Braunwald

Steil bergauf ging es los und am Tag meiner Wanderung hatte es an die 30 Grad in einem der heissesten Sommer meines Lebens. Zum Glück gab es zwischendurch immer wieder schattige Strecken. Einmal war ich mir nicht sicher ob der Weg weiter nach links über den kleinen Bach weiterführt, jedoch wurde mir dann anhand von der Karte klar, dass es der Weg rechts hinauf zur Strasse sein musste. Ca 10 Minuten lang führte die Wanderung dann sogar entlang der Klausenpass Strasse, was weniger toll war. Stolze Porschebesitzer und schnittige Motorradfahrer flitzten an mir vorbei, während ich mit hochrotem Kopf auf dem Asphalt mit meinen Wanderstöcken  inständig hoffte, bald in Deckung zu kommen. Aber es lohnte sich durchzuhalten. Bei der nächsten 180 Grad Linkskurve führte der Wanderweg rechts weiter hinein in einen schönen Wald.

In der Stille des Waldes

Ausser mir war kein Mensch unterwegs und ich fragte mich mehrmals warum auf einem so abwechslungsreichen und schönen Wanderweg kaum Menschen anzutreffen waren. Zuerst schlängelte sich der Weg durch einen schönen Wald, und dann unterhalb einer schroffen Klippe vorbei Richtung Restaurant Nussbüel, das sicher einen Halt wert wäre. Jedoch war es für mich noch zu früh für eine Einkehr und ich überliess es den Sonntagsausflüglern, die offensichtlich über den breiteren Feldweg von Braunwald gekommen waren, die schöne Aussicht von der Terrasse des kleinen Restaurants zu geniessen.

Braunwald

In Braunwald fragte ich ein paar Einheimische welcher Weg nun zum Oberblegisee führen würde und die Antwort war: «Sie wollen noch bis zum Oberblegisee??!!» Es lag ja nicht daran, dass ich vielleicht in Sandalen herumgelaufen wäre – nein – ich war in voller Wandermontur inklusive Wanderstöcken! «Das sind noch mindestens zwei Stunden!!!» Was sind schon zwei Stunden wenn man mit einer Gesamtdauer der Wanderung von 5,5 Stunden gerechnet hat? Ich solle doch das Bähnli nehmen, das wäre viel schöner. Ich bedankte mich für den Tipp und wanderte vorerst durch Braunwald weiter.

Ein Traum von Chalets

Braunwald war wie eine Offenbarung – die Idylle pur auf 1256 Metern Seehöhe (vielleicht Nostalgie weil mein Heimatort auf 1228 Metern liegt?). Links und rechts vom Weg ein schönes Chalet nach dem anderen. In mir war das Bedürfnis nach Ruhe geweckt. Autofreie Zone, na wenn das nicht das Paradies war, das ich da entdeckt hatte? Einmal eine Woche sich hier mit ein paar guten Büchern bewaffnet zurückziehen – das wäre es!

Und doch mit dem Bähnli gefahren

Als ich ein zweites Mal nach dem Weg fragte, antwortete mir ein schweissgebadeter Familienvater: «Wollen Sie die schönere Route oder die kürzere wissen?» Derartig an die Wand gedrängt verlangte ich natürlich nach der schöneren Variante, die über den Grotzenbüel führe und 1,5 Stunden länger wäre. «Nehmen Sie doch das Bähnli» sagte er im Ansturm einer Erleuchtung. Da war er nun wieder, der Wink des Schicksals. Es würde meiner Sportlichkeit wohl nichts abtun und ausserdem war es verdammt heiss. Somit löste ich ein Ticket und sogar die Familie entschied sich für die Bahn, das Familienoberhaupt meinte er wolle sich einen Herzinfarkt ersparen.

Hot Dogs

In meiner Gondel fuhren eine ältere Dame, ihr Sohn und ihre zwei Mini-Couper-Hunde mit. Diese hechelten als ginge es um ihr Leben. Einer der Hunde schien kurz vor einem Kollaps – ich hatte grosses Erbarmen mit den Tieren. Die Hitze war diesen Sommer eine grosse Belastung. Endlich gingen nach 10 Minuten Fahrt die Gondeltüren wieder auf und alle konnten nicht schnell genug aus der Gondel raus.

So ein Käse

Von nun an ging es abwärts – an einem Hof musste ich mir unbedingt am Selbstbedienungsladen einen Braunalper Käse kaufen (clevere Leute nehmen kleine Kühltaschen mit, besonders in der Schweiz wo der Käse allgegenwärtig ist). Bei der Bächialp hätte ich etwas später auch noch einmal Gelegenheit zum Käsekauf gehabt.

Sprung in den See

Ab der Bächialp war es noch einmal ca. eine halbe Stunde bis zum Oberblegisee. Ein paar junge Mädchen kamen mir mit nassen Haaren entgegen und ich verspürte den Drang endlich in den kalten Bergsee zu springen. Am Bergsee angelangt begnügte ich mich aber damit, meine Beine und Arme abzukühlen, ich hatte nämlich keine Badesachen dabei (leichtes Handtuch und Badesachen mitnehmen). Der See liegt auf 1422 Metern Seehöhe und man sah praktisch das Eis auf den Bergspitzen schmelzen. Was für ein Ort!

Retour ging es nach einem kleinen Picknick am See wieder über die Bächialp bis hinunter zur Brunnenbergbahn. Der Weg von der Bergstation der Brunnenbergbahn würde nämlich noch einmal 1,5 Stunden auf steilem Wanderweg nach Luchsingen führen. Zu diesem Zeitpunkt war es mir herzlich egal ob es sportlich oder nicht wäre mit der Bahn zu fahren …. meine Knie hätten an diesem Tag definitiv gestreikt.

Links

Beschreibung der Wanderung auf Bergwelten: https://www.bergwelten.com/t/w/21776

Tourismusverband Braunwald – Chalets mieten: Chalets in Braunwald mieten

Restaurant Nussbüel: http://www.nussbuel.ch/